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Corona-Diskurs @UR

Corona macht’s deutlich

Corona, so scheint es, macht wie durch eine Lupe auf Missstände in der Gesellschaft aufmerksam, die seit Jahren bekannt, aber immer wieder wirksam verdrängt wurden:

Da ist der Pflegenotstand, die personelle Unterbesetzung der Krankenhäuser, die Vereinsamung alter und kranker Menschen. Da sind die unzulänglichen Betreuungsrelationen in Kindergärten und sonstigen Kinderbetreuungseinrichtungen und da sind die menschenunwürdigen Zustände in Massenunterkünften (Asylbewerber, Saison- und Billigarbeitskräfte) und die tierfeindliche Massenfleischproduktion. Da ist zudem ein Bildungssystem, in dem der Erfolg eines jungen Menschen zu einem ganz erheblichen Maß von seinem Elternhaus abhängt und da ist ein politisches Unbehagen, das explosionsartig in Gewalt umschlagen kann. Und da ist eine sehr beunruhigende Leugnung von Eigenverantwortung und gleichzeitig die Akzeptanz eines starken Staates, der es schon richten wird.

Die Lupe wirkt: Der Blick schärft sich und plötzlich wird das Verschwommene klar. So lange Erzieher/innen und Altenpfleger/innen mit ihrem Gehalt keine Familie ernähren können, obwohl sie verantwortungsvolle Posten von höchster gesellschaftlicher Bedeutung inne haben, so lange Verbraucher/innen Billigprodukte aller Art konsumieren, ohne sich ihrer eigenen Bedeutung für die mit der Produktion verbundenen Bedingungen für Mensch, Tier und Umwelt bewusst zu machen, so lange umfassende Bildung nicht als höchstes Staatsziel begriffen und finanziert wird, so lange soziale Benachteiligungen systemisch aufrechterhalten werden, so lange Bürger/innen Politiknähe nur in einer Zeit massiver politischer Interventionen ins Privatleben empfinden und diese auch noch gut heißen, ist nichts gut in Deutschland.

Und nimmt man die Lupe wieder weg, wird das Verschwommene bleiben. Da hilft auch kein Rettungspaket.

Ein etwas anderer Ausnahmezustand?

I. Von der Corona-Krise

Ein Virus mit dem schönen Namen „Corona“ (medizinisch offenbar korrekter aber weniger ansprechend: SARS-CoV-2: Severe Acute Respiratory Syndrome – Coronavirus 2) hat die Welt verändert. Seitdem die Ausbreitung der virusbedingten Krankheit (namens COVID-19) ein pandemisches Ausmaß angenommen hat, scheint kaum mehr etwas so zu sein wie zuvor. Die Welt befindet sich im Krisenmodus. Der Ausdruck „Corona-Krise“ beschreibt dabei nicht nur die unmittelbaren medizinischen Folgen der Erkrankung (mit weltweit mehreren hunderttausend Toten). Mit dieser Bezeichnung werden zugleich auch die bereits eingetretenen und absehbaren Konsequenzen in juristischer, ökonomischer, politischer und sozialer Hinsicht umfasst. ⇒ hier weiterlesen …

Weitere Stimmen III

Hier finden Sie ausgewählte Hinweise auf kritische Beiträge in anderen Medien.

Auf den Seiten preafaktisch.de und verfassungsblog.de finden Sie ständig aktualisierte Beiträge aus verfassungsrechtlicher und philosophischer Sicht:

https://www.praefaktisch.de

https://verfassungsblog.de/

 

Einzelbeiträge Juni 2020:

19.06.2020
Eric Gujer, „Die Warnung vor Seuchen-Sozialismus war berechtigt/ Mit der lockeren Schuldenpolitik baut der deutsche Staat seine Macht aus“ NZZ – Der andere Blick – 19.6.2020
https://www.nzz.ch/international/deutschland/die-warnung-vor-seuchen-sozialismus-war-berechtigt-mit-der-lockeren-schuldenpolitik-baut-der-deutsche-staat-seine-macht-aus-ld.1562026?mktcid=smsh&mktcval=E-mail
https://www.nzz.ch
© NZZ AG –

15.06.2020
Richard David Precht über Corona-Maßnahmen: „Wir haben offenkundig überreagiert“ in Handelsblatt online vom 15.6.2020
http://a.msn.com/01/de-de/BB15tJRG?ocid=se

16.06.2020
Christian Thies, „Alternativlos-Rhetorik vergiftet öffentliche Debatten“ in: „Passauer Universitäts-Perspektiven“ zur Coronakrise, 16.6.2020
https://www.digital.uni-passau.de/beitraege/2020/oeffentliche-debatten-in-krisenzeiten/

 

26. Kalenderwoche

Mit der Welle der Lockerungen der vergangenen Wochen startet Bayern mit einem weiteren großen Schritt Richtung Normalität in die 26. Kalenderwoche. Mit der Aufhebung des Katastrophenfalls in der vergangenen Woche führt Bayern den Lockerungskurs weiter. Die neuerliche Öffnung des gesellschaftlichen Lebens betrifft auch die Bereiche Sport, Einkauf, Kultur und Sauna. Unter bestimmten Bedingungen sind nicht nur Feste und Gruppenreisen wieder möglich, auch seit Mitte der vergangenen Woche dürfen sich wieder bis zu zehn Menschen aus mehreren Haushalten im öffentlichen Raum treffen. Im Privaten wird nun auf jedwede Beschränkung verzichtet, entscheidend soll vielmehr sein, wie viele Menschen sich unter Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern in einem Raum aufhalten können. ⇒ hier weiterlesen …