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Corona-Diskurs @UR

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Die durch das Corona-Virus ausgelösten staatlichen Maßnahmen und deren soziale, wirtschaftliche, gesundheitliche, kulturelle, politische und rechtliche Folgen sind in gewisser Weise einzigartig. Es ist die Aufgabe der Universitäten, ihre Kräfte zu bündeln, die Wissenschaft in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen und einen Raum zum kritischen Nachdenken zu bieten.

Unsere Gesellschaft hat seit den beiden Weltkriegen keine vergleichbar intensiven Erschütterungen erlebt. Das zeigt sich daran, dass es zwar auch früher Krisen gegeben hat (beispielsweise politische , wirtschaftliche oder ökologische), dass diese aber nicht in der gleichen Weise wie heute die gesamte Gesellschaft betroffen hatten: Das Gesundheitswesen, das Arbeits- und Familienleben, rechtliche Staatsgrundlagen und Grundfreiheiten, das gesamte Feld der Wirtschaft, die Welt der Kultur und ganz besonders: Das Leben und die Freiheit eines jeden Einzelnen.

Die Veränderungen kamen so schnell, dass sie nicht zu Unrecht mit einem Tsunami verglichen wurden. Die Politik musste sehr schnell reagieren und die Gesellschaft wurde gewissermaßen von den Ereignissen überrollt. Dieser Prozess ist auch auf absehbare Zeit nicht abgeschlossen, die Krise nicht „bewältigt“, die Folgen noch nicht absehbar.

In einer solchen Situation ist es die erste und entscheidende Aufgabe der Universitäten, ihre Kräfte zu bündeln, die Wissenschaft in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen, den Studierenden und allen anderen einen Raum zum Nachdenken zu bieten. Reflexion, Kritik, wissenschaftliche Begleitung der Prozesse und Beratung der Entscheidungsträger sind Kernkompetenzen der Universitäten; Diskurs, Wissen, systematisches Denken sowie die Fähigkeit zum überlegten Handeln aufgrund von Prinzipien sind Dinge, die in der hektischen Zeit einer Krise sehr leicht zu kurz kommen, aber es nicht dürften.

Universität − das ist keine Ausbildungsanstalt für human resources, sondern das Herz einer Kulturnation; ein Wissenschaftsstandort zeichnet sich dadurch aus, dass sehr viele, sehr helle Köpfe ihre Kraft auf eine intellektuelle Aufgabe richten, die es zu bewältigen gilt.

Deshalb darf eine Universität in der aktuellen Zeit nicht in Schweigen verfallen. Sie kann etwas leisten, das niemand der sonstigen gesellschaftlichen Akteure besser kann als sie: Das Mit!denken zum Programm zu machen. Das inkludiert alle Reflexionsebenen, alle Fachbereiche. Es inkludiert sowohl die Sorge um die Gegenwart (sind die Maßnahmen rechtens? Sind sie medizinisch zielführend? Sind sie gesellschaftlich zu verkraften? Sind sie wirtschaftlich tragbar?) als auch die Sorge um die Zukunft (Beispielsweise die Frage, ob wir vorbereitet sind auf die nächste Herausforderung nach Art des Corona-Virus, verfassungsrechtlich, medizinisch, sozial und ökonomisch?) und die Lehren aus der Vergangenheit.

Mit!denken ist deswegen Motto und Programm zugleich.

Katrin Gierhake

Wenn Sie sich am Mit!denken beteiligen möchten, geben Sie uns per E-Mail an mitdenken@ur.de Bescheid.